Samstag, 13. September 2008
BIOS-Bug: Acer Aspire One ist tot
"Früher oder später kriegen wir Sie" - dieser Werbespruch scheint auch für Besitzer des Acer Aspire One A110/A150 zu gelten.

Vor ein paar Tagen hat es auch mein Acer Testgerät (A110L) erwischt. Ich bin versehentlich durch Drücken der F2-Funktionstaste ins BIOS gekommen. Nachdem ich mit der ESC-Taste ohne Änderungen das BIOS-Setup verlassen habe, bootete das System neu - und dann ging nix mehr - kein BIOS-Prompt - nur noch ein schwarzer Bildschirm und eine leuchtende Einschalttaste.

Hardware kaputt - oder was sonst?

Die leuchtende LED am Einschalter zeigt, dass das Gerät Spannung erhält. Drückt man beim Einschalten gleichzeitig die Tastenkombination Fn+Esc, beginnt die LED am Einschalter zu blinken. Dies zeigt, dass die CPU läuft. "Hardware kaputt" kann also nicht sein ...

Eine Recherche zeigte mir, dass da eine Menge AAO-Benutzer betroffen sind (Ausfall nach wenigen Tagen Betriebszeit). Einige hatten vorher Speicher eingebaut (hier bei mir war das Testgerät unmodifziert). Bei einigen Anwendern trat der Fehler beim Speichern von BIOS-Änderungen auf (hier wurde nichts am BIOS verändert).

Scheint so, als ob der AAO ein wirkliches Problem hat und die BIOS-Setup-Einstellungen so verstellt, dass nichts mehr startet.

Ursachenforschung ist angesagt

Warum tritt das Problem überhaupt auf? Die logische Erklärung: Irgend etwas in der BIOS-Konfiguration wird fehlerhaft gespeichert - das System kann mit den Daten nicht mehr starten.

In den letzten Tagen habe ich einiges zu diesem Problem recherchiert. Und ich bin auf Hinweise gestoßen, dass der im AAO verbaute Atom-Prozessor irrtümlich in einen deep-Hibernation-Modus umgeschaltet wird, bei dem dann BIOS-Daten fehlerhaft geschrieben werden. Ob es zutrifft, vermag ich nicht zu beurteilen.

Weitere Recherchen haben Hinweise ergeben, dass die Fehler verstärkt beim Booten über USB-Geräte auftauchen. Speziell der Fall, dass versucht wird, die BIOS-Boot-Reihenfolge bei angestecktem USB-Stick zu verändert, dürfte die kritischste Kombination sein, da beim Verlassen des BIOS ja Änderungen geschrieben werden. Obwohl bei mir das BIOS definitiv mit ESC ohne Schreiben verlassen wurde - aber es war ein USB-DVD-Laufwerk mit der Recovery-DVD angeschlossen.

Anwender, die nur den Acer Aspire One mit Linpus Lite fahren, keine anderen Betriebssysteme installiert haben, nie das BIOS-Setup aufrufen und auch möglichst keine (bootfähigen) USB-Sticks verwenden, wären demnach nicht betroffen - kann ich aber auch nicht verifizieren.

Fakt ist aber: beim Acer Aspire One (A110, A150) tritt der Effekt auf, dass fehlerhafte Daten (entweder im BIOS oder im CMOS-Datenbereich) abgelegt werden und das System dann nicht mehr anläuft.

Hintergrund: BIOS-Hersteller statten diese teilweise mit einem "festen" Teil und einem "flash-baren"-Teil aus. Der "feste" Teil des BIOS stellt beim Systemstart sicher, dass die CPU anlaufen kann. Im flashbaren Teil des BIOS lassen sich Firmware-Modifikationen am BIOS ablegen und so Fehler bereinigen. Dieser Ansatz verhindert elegant, dass bei einem fehlerhaften Flash-Vorgang das Motherboard tot ist. Je nach BIOS-Hersteller gibt es verschiedene Ansätze (siehe hier und hier), wie sich der Flash-Vorgang mit im fixen BIOS-Teil gespeicherten Routinen mehrfach durchführen lässt.

Der nicht flashbare BIOS-Teil enthält u.a. auch Routinen, um nach dem Einschalten einen groben Systemcheck durchzuführen. Dabei wird auch die Integrität des flashbaren BIOS sowie des CMOS-Datenbereichs überprüft. Schlägt der Test fehl, muss die Routine den Start des Rechners wegen der inkonsistenten BIOS-/CMOS-Daten (zur Vermeidung von Fehlfunktionen oder Hardwarebeschädigungen) verhindern. Im Idealfall erhält der Benutzer aber den Hinweis, dass die Konfiguration nicht stimmt und wird gefragt, ob die Default-Einstellungen zurückgesetzt werden dürfen. In der Default-Konfiguration kann das System wenigstens wieder anlaufen. Diese Funktionalität steht im BIOS der Acer Aspire One offensichtlich aber nicht zur Verfügung. Schlägt der Integritätstest fehl, bleibt ein nicht mehr funktionierendes Gerät (a "bricked" AAO) mit drehendem Lüfter, leuchtender Einschalt LED und schwarzem TFT-Monitor zurück.

Die Lösung mit dem Holzhammer: BIOS-Reflash

Wer mit der Situation eines nicht mehr startenden (neuen) AAO-Netbooks konfrontiert wird, sollte die unten skizzierte Möglichkeit der Rückgabe wählen. Wo das nicht möglich ist (Gerät bereits gemodded, Garantie abgelaufen etc.), lässt sich zu der (auch vom Acer-Kundendienst verwendeten) Möglichkeit eines BIOS-Flash-Upgrades greifen.
  • Benötigt wird ein mit FAT formatierter USB-Stick (FAT32 soll bei Sticks < 2 GB auch gehen) und die Dateien für das BIOS-Flash-Programm FLASHIT.EXE sowie das BIOS-Image. Beide Dateien lassen sich von den Acer Supportseiten (A110, A150) herunterladen.
  • Das Programm FLASHIT.EXE und die BIOS-Imagedatei müssen im Hauptverzeichnis des USB-Sticks abgelegt werden. Die BIOS-Imagedatei ist danach in ZG5IA32.FD umzubenennen (sonst wird das Image nicht erkannt).
Nach diesen Vorbereitungen kann es ans "Re-Flashen" des kaputten AAO gehen.
  1. Schließen Sie den AAO mit aufgeladenem Akku an das Netzteil an und stellen Sie sicher, dass das Netzteil am Strom hängt.
  2. Stellen Sie sicher, dass der AAO ausgeschaltet und der gerade vorbereitete USB-Stick eingesteckt ist.
  3. Halten Sie (bei eingestecktem USB-Stick) die Tastenkombination Fn+Esc gedrückt und drücken Sie den Einschalter.
  4. Danach lassen Sie die Tasten los und warten, bis der Rechner bootet.
  5. Sobald die LED am Einschalter zu blinken beginnt, reicht ein Druck auf die Einschalttaste.
Dann startet den BIOS-Flash-Vorgang. Beim Flash-Vorgang wird die BIOS-/CMOS-Konfiguration auf einen definierten Anfangszustand zurückgesetzt - und anschließend startet das System neu. Daher ist es wichtig, dass der Vorgang mit einem voll geladenen Akku und angeschlossener Netzversorgung durchgeführt (falls die Stromversorgung über Netz ausfällt) - und mindestens 10 Minuten gewartet wird. In dieser Zeit bitte nichts am Gerät machen und keinesfalls irgendwelche Tasten drücken. Dann wird alles wieder gut.

Die Lösung wurde erstmalig von macles* im Artikel Acer Aspire One BIOS Recovery beschrieben. Hier beschreibt macles eine revidierte (inoffizielle) v.3304-BIOS-Version, die den Fehler endgültig beheben soll. Dort soll angeblich auch das Problem des flackernden TFT-Displays bei stark reduzierter Helligkeit behoben sein. Eine Liste der Revisionen in diversen BIOS-Versionen ist hier von macles* beschrieben (scheint "wild" bei der BIOS-Entwicklung für den AAO herzugeben). Hab's aber nicht getestet.

Vielleicht hilft es dem Einen oder Anderen gefrusteten Acer-Nutzer. Ich selbst habe es beim ersten "gebrickten AAO" nicht testen können - da das Testgerät vom Hersteller schnellstmöglich ausgetauscht wurde. Interessant, dass man mir die Antwort auf die Ursache und die Bitte um Anweisung zur Behebung bisher schuldig geblieben ist.

Nachtrag: Nachdem es auch das zweite Testgerät von Acer (A110L) mit BIOS-Revision v.3314 bei mir erwischt hatte, scheint es ein tiefergehende Designproblem zu sein. Dies lässt sich zwischenzeitlich bestätigen, da mittlerweile die Foren voll von solchen Leidensgeschichten sind. Beim zweiten Testgerät trat es nach dem Zurücksetzen des Linux auf dem AAO über die Recovery DVD auf. Abends konnte ich nach dem Recovery noch arbeiten - am nächsten Morgen weigerte sich das gute Stückchen zu booten und war nur noch als Schminkspiegel zu gebrauchen.

Ziemlich genervt, ob dieses Verhaltens, ich wollte eigentlich meinen Netbook-Buchtitel zu Linux fertig stellen, habe ich dann den Flash-Vorgang durchgeführt - und siehe da, das Testgerät tat es wieder. Da ich die gleiche BIOS-Revision wie der Hersteller verwendet habe, lässt sich dieser Flash-Vorgang vermutlich noch nicht einmal mehr nachweisen. Jedenfalls habe ich keine "Beschwerden" von Acer nach der Rückgabe des 2. Testgeräts vernommen.

Achtung - möglicher Garantieverlust!

Es ist bescheiden - mit dem obigen Kunstgriff können Sie einen nicht mehr funktionierenden Acer Aspire One A110/A150 wieder zum Leben erwecken. Allerdings erfolgt dies auf eigenes Risiko - läuft etwas beim Flashen schief, ist die Herstellergarantie verloren. Es bleibt nur noch, das Gerät einzuschicken und auf die (vermutlich kostenpflichtige) Reparatur zu warten.

Ich übernehme daher keinerlei Haftung oder Gewähr, dass der beschriebene Ansatz funktioniert (und habe auch längere Zeit überlegt, diesen Blog-Beitrag zu veröffentlichen)!

Aus diesem Grund ist mein ausdrücklicher Rat: Wer ein neues Gerät hat, sollte dieses (bis auf weiteres) aus den obigen Gründen an den Händler bzw. an Acer zurückgeben. Erst wenn Acer auf seinen Support-Seiten ein fehlerbereinigtes BIOS samt einer Erklärung, dass ein BIOS-Flash nicht zum Garantieverlust führt, bereitstellt, kann die obige Anweisungsfolge von betroffenen Anwendern risikoloser ausgeführt werden.

Ernüchterndes Fazit

Man könnte jetzt auf Acer und das Gerät schimpfen. OK, deren Informationspolitik ist verbesserungswürdig. Man könnte auch Geräte dieses Herstellers "links liegen lassen". Aber wenn ich mir die Foren zu Netbooks so durchlese (und eigene Erfahrungen einfließen lasse), scheint generell so was wie "Bananenpolitik" einzureißen. Kaum ein Netbook-Modell, wo es nicht extreme Frühausfälle gibt. Ratternde Lüfter beim Medion Akoya Mini 1210 (und ein auf E-Mails nicht reagierende Medion-Support), gravierendende Update-Fehler bei ASUS, defekte TFT-Displays, Mikros, etc., klappernde Tastaturen, garstige Touchpads und, und, und ...

Es hätte so schon sein können! Netbooks, die endlich über all hin mitzunehmen und bezahlbar sind. Die Nachfrage zeigt, es gibt den Bedarf. Ob aber jeder Anwender mit den momentan auftretenden Problemen leben kann oder will? Ich weiß es nicht.

Meine Meinung: Liebe Hersteller, so kann man auch einen Markt kaputt machen.

(c) 2008 by Günter Born

Infos zum Eee PC finden Sie in meinen Eee PC-Handbuch. Literatur und weitere Tricks zu Windows XP. Literatur zu Netbooks? Findet sich hier.

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AAO110 ist tot
hatte das problem, dass sich nach der installation von XP auf dem aao110 immer wieder bluescreens zeigten. habe dann diverse foren durchstöbert und bin draufgekommen, dass ich das BIOS updaten sollte. habe die oben im blog erwähnte anleitung von 'macles' strikt beherzigt, um das BIOS von 3109 auf 3114 hoch zu bringen. der flashprozess brach mittendrin ab, und seither ist das ding tot. will sagen: es rührt sich gar nix mehr, kein lämpchen leuchtet, kein lüfter surrt, das ding ist einfach komplett tot.
macht es sinn, das gerät überhaupt noch einzuschicken an den ACER-service? wo die garantie wegen des einbaus einer RAM-erweiterung eh erledigt ist - und ein neues mittlerweile nur mehr 290 € kostet? oder gibt es andere möglichkeiten, das gerät zu reparieren?

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Ist er wirklich tot?
@dondoroteoarrango: Bist Du sicher, dass das Teil wirklich tot ist? Dies würde ja bedeuten, dass der flashbare Teil des BIOS das Anlaufen des Prozessors verhindert. Eigentlich sollte ja der ROM-Part des BIOS den Flash-Vorgang initiieren. Ggf. mal den USB-Stick neu erstellen und dann bei eingestecktem Stick den AAO einschalten. Wenn nichts mehr funktioniert, auch mal testen, ob evtl. das Netzteil wirklich Spannung liefert.

Wenn es wirklich ein "gebricktes Gerät" ist, mal nachfragen, was eine Reparatur kosten würde. Bezüglich des "nur mehr 290 € kostet" kann ich nur staunen. Also hier sitzen die Ocken nicht so locker, dass man mal schnell ein Netbook für 600 Deutsche Mark als Elektroschrott deklariert (naja, ich bücke mich auch gelegentlich, um noch einen Hufnagel aufzuheben - könnte man ja mal brauchen ;-).

Jedenfalls viel Erfolg - den zweiten "gebrickten" Testrecher habe ich doch durch ein "Reflash" reaktivieren können. So kann ich im gerade entstehenden Buch zu "Netbooks mit Linux" doch noch den AAO mit Linpus berücksichtigen.

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Nachtrag: Wenn das BIOS gelyncht wurde ...
Zwischenzeitlich hat mich noch eine Rückmeldung eines Lesers mit einer interessanten Information errreicht.
Nachdem ich viele "Anleitungen" über ein BIOS-Flash gelesen habe, und mich an eine "falsche" gehalten hatte, begannen meine Probleme erst richtig.
Leider wird hier und da davon gesprochen, nach dem Starten des Rechners (über eingesetzten USB Stick mit den Flash-Daten) mit der FN und ESC Taste den Bootvorgang durch nochmaliges (!) drücken des Netztasters zu initialisieren.
In meinem Fall habe ich den BIOS-Chip gehimmelt, weil ich in Wirklichkeit den Flashvorgang unterbrochen habe...
Die einzige Möglichkeit die dann noch blieb, war die Firma Bios-Fix, bei der ich einen neuen BIOS-Chip mit meinen dazugegebenen Daten aufgelötet bekam. Und das noch für kleines Geld ( ca. 25,00 Euro )!
Vielleicht ist das für den einen oder anderen von Interesse. Ich bin jedenfalls glücklich, dass ich so mein kleines Acer retten konnte...
Die Firma BIOS-Fix findet sich hier im Internet. Dies ist vielleicht für den Einen oder Anderen von Interesse - danke Michael Gehrke für diese Info.

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Noch eine Leserrückmeldung ...
gerade erreichte mich per E-Mail eine Leserrückmeldung:
Guten Tag Herr Born,
die von Herrn M. Gehrke gemachte Erfahrung kann ich voll und ganz bestätigen.
Auch ich bin nach einer solchen Anleitung vorgegangen mit exakt dem selben Ergebnis.
Abhilfe konnte nur noch Bios-Fix schaffen.
Ich kann nur zu größter Vorsicht bei solchen Anleitungen aus dem Internet aufrufen,
bei denen weder eine Quellenangabe angegeben ist, noch bekannt ist, ob derjenige der solche
Anleitungen postet, sie selbst überhaupt ausprobiert hat oder ob er überhaupt das betreffende Gerät besitzt.


Es wurde ja im Blog-Beitrag ausgeführt, dass die "Reanimierung" auf eigene Gefahr passiert. Zu Zeiten, als ich noch am Netbook-Buchprojekt arbeitete, habe ich die Thematik aber intensiver im UMPX-Forum verfolgt. Dort konnten einige Leute mit der Anleitung glücklich gemacht werden. Wichtig ist, dass das BIOS-Update wohl nicht unterbrochen wird.

Nochmals danke an Herrn S. für das Feedback.

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